Die Sonne steht tief. Der Herbst hat bereits Einzug gehalten, verändert die Stimmung der Tage, taucht alles in ein melancholisches Licht.
Ein Pärchen sitzt nebeneinander auf der Spitze des Hügels,
golden breitet sich die Abenddämmerung über der Landschaft aus.
Sie verlässt ihn.
Er weint, will es nicht, kann sich nicht zurückhalten.
Die Zeit zerstört alles.
Eine Welt liegt in Trümmern.
Später, er betritt seinen Raum, atmet durch, blinzelt Tränen fort, schluckt Wut, zittert, sitzt am Bett, steht auf,
schreit.
Steht im Zimmer und schreit, brüllt, den Schmerz heftig in der Brust hämmernd.
Er schließt die Augen.
Schnell blinzelnd öffnet er die Augen, langsam, da ihn das plötzliche grelle Licht nicht gleich sehen lässt.
Wo gerade noch weiße Decke eines Raumes war ist nun helles
blau, Himmel.
"Könntest du bitte einen Schritt zur Seite machen und aus meinem Tomatenbeet steigen?"
"Was?"- er taumelt aus dem Tomatenbeet mitten in die Petersilie.
Der Andere seufzt, blickt zu Boden. Schließlich erhebt er sich und geht, seine Salatpflanzen ungegossen zurücklassend, zu seinem unerwarteten Besuch.
"Also: Nein. Das ist kein Traum. Und zum zweiten: Ja. Du bist tot. So wie wir alle hier."- mit einer ausladenden Geste zeigt er auf ein Dorf, das seinen kleinen Gemüsegarten und das dazugehörige Haus, umgibt.
Verwirrt blickt der neu Verlorene in das Gesicht des Gärtners, bringt ein "Was geht hier vor?" heraus und setzt sich- auf einen Zucchino.
"Du bist hier neu, lass es dir erst einmal erklären, bevor du Fragen stellst und wir damit beginnen können dich hier einzugewöhnen.
Wie gesagt, wir sind hier alle nicht mehr am Leben. Du wirst feststellen, dass du keinen Puls mehr hast.
Wir wissen nicht wer, oder was uns hier her gebracht hat.
Auch nicht wie.
Aber es hatte einen bestimmten Grund. Und zwar immer ein und denselben.
Jeder von uns hatte ein furchbares Erlebnis das furchtbare, unerträgliche Schmerzen zur Folge hatte. Du wirst verstehen welchen Schmerz ich meine- sonst wärst du nicht hier.
Die Pein wird zuviel, dein Verstand schaltet ab, kann nicht mehr, das ist der Zeitpunkt in dem du gestorben bist.
Wir starben aus Trauer, wegen untragbarem Schmerz.
Hier spüren wir so etwas nicht mehr.
Was immer uns hergebracht hat, hat uns auch den Schmerz genommen. Fühlst du nicht, dass es aufgehört hat, das Flaue Gefühl im Magen, die leichte Übelkeit, der stechende Schmerz, der keine körperlichen Ursachen hat, das Nachdenken, über was auch immer passiert ist?
Geht es dir nicht besser?"
Der Verlorene nickt, legt eine Hand auf seinen Bauch. "Es hat aufgehört..."
Bestätigend nickt der Andere, winkt ihm aufzustehen und ihm zu folgen.
"Na komm. Wir besorgen dir erst einmal etwas anzuziehen.
Dass sie auch immer nackt kommen müssen..."
oliverkossegg - 19. Aug, 22:45